Stadt Regensburg: Gut informiert in die Grundschule- Informationsangebote für neuzugewanderte Familien
Um was geht es? Ausgangslage und Einordnung ins DKBM
Für viele Familien ist der Übergang ihrer Kinder vom Kindergarten in die Grundschule mit Unsicherheiten verbunden. Das Einschulungsverfahren, vielfältige Betreuungsangebote sowie unterschiedliche Anmeldeprozesse sind komplex und setzen Kenntnisse des deutschen Bildungs- und Verwaltungssystems voraus. Bestehende Informationen sind häufig allgemein gehalten oder sprachlich schwer verständlich. Gerade für neuzugewanderte Familien kann das eine besondere Herausforderung darstellen.
Der Bedarf nach niedrigschwelligen Informationen zur Einschulung für die 16 staatlichen und fünf privaten Grundschulen wurde in der Stadt Regensburg von der Fachstelle InMigra-KiD an die Stabsstelle Bildungskoordination herangetragen.
Der Aufgabenbereich der Stabsstelle Bildungskoordination wurde seit 2015 kontinuierlich erweitert und umfasst heute unter anderem die Koordination der Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern, das Bildungsmanagement, die Planung der Schulentwicklung sowie die Koordination von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte. Ein Schwerpunkt liegt dabei darauf, Zugangsbarrieren für Migrant:innen im Bildungsbereich zu identifizieren und Ansätze zu deren Abbau zu entwickeln. Das war eine wichtige Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung des Projekts, das Eltern verständlich über den Einschulungsprozess informiert.
Im direkten Austausch mit pädagogischen Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen wurde deutlich, dass insbesondere neuzugewanderte Eltern häufig Schwierigkeiten haben, die erforderlichen Schritte für die Einschulung ihrer Kinder nachzuvollziehen und die für ihre individuelle Situation passenden Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig handelt es sich um eine Zielgruppe, die herkömmliche Informationsangebote oftmals schwer erreichen.
Die Fachstelle InMigra-KiD ist ein Angebot der Jugend- und Familientherapeutischen Beratungsstelle der Stadt Regensburg und unterstützt zugewanderte Familien bei der Entwicklung ihrer Kinder: in den Bereichen Kita, Schule und Erziehung. Hierzu wird mit ausgewählten Bildungseinrichtungen aus Stadt und Landkreis Regensburg zusammengearbeitet.
Vor diesem Hintergrund entstand Anfang 2024 die Idee, Informationsveranstaltungen für neuzugewanderte Eltern direkt in den Kindertageseinrichtungen anzubieten. Die erste Veranstaltungsreihe fand im Herbst 2024 statt. Sie wird seitdem jedes Jahr im Herbst von dem Team Bildungskoordination in Kooperation mit InMigra-Kid umgesetzt und trägt den Titel „Mein Kind kommt in die Schule“. Wichtige Aufgaben des Teams umfassten dabei zudem die Vor- und Nachbereitung der Infonachmittage, die Erarbeitung und das Marketing einer Infobroschüre, Infokarten und der neuen Internetseite.
Wie läuft es konkret ab? Umsetzung und Ausgestaltung
Die Informationsveranstaltungen werden bewusst niedrigschwellig in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt. Die Einrichtungen sind für Familien bekannte Orte, die regelmäßig besucht werden; zu den Fachkräften besteht bereits ein Vertrauensverhältnis. Diese sprechen Eltern gezielt an, informieren über die Veranstaltungen und erinnern sie bei Bedarf, beispielsweise über die KiKOM-App.
Die Veranstaltungen dauern zwei Stunden und werden in einfacher Sprache durchgeführt. Eine Präsentation unterstützt den mündlichen Vortrag. Kurze Sätze, Visualisierungen und die verständliche Erklärung zentraler Begriffe erleichtern das Verständnis. Oft werden ehrenamtliche Sprachmittler:innen aus dem Dolmetscherpool von InMigra-KiD eingebunden. Mehrsprachige Plakate, die den Einrichtungen in digitaler und gedruckter Form zur Verfügung gestellt werden, und eine Kinderbetreuung während der Info-Nachmittage unterstützen die Ansprache der Eltern.
Jedes Jahr werden vor den Sommerferien alle Kindertageseinrichtungen angeschrieben und können Termine für Veranstaltungen im Zeitraum Oktober bis Anfang Dezember verabreden. Die Einrichtungen legen die konkrete Uhrzeit so fest, dass möglichst vielen Eltern eine Teilnahme möglich ist; ein Zeitfenster zwischen 14 und 18 Uhr hat sich bewährt. Falls in einer Einrichtung nur wenige Familien einen entsprechenden Bedarf haben und sich eine eigene Veranstaltung deshalb nicht lohnt, können diese auch an einer Veranstaltung einer anderen Einrichtung in ihrer Nähe teilnehmen.
„Durch die Veranstaltung “Mein Kind kommt in die Schule“ für Neuzugewanderte bekamen unsere Vorschuleltern in angenehmer Atmosphäre viele Informationen zum Thema Schulstart und konnten gezielt ihre Fragen stellen.“
Ute Steiner, Leitung Kinderhaus Guericke, Stadt Regensburg
Neben der mündlichen Information erhalten die Teilnehmenden ergänzende Materialien, darunter eine Broschüre zum Einschulungsprozess, Flyer zu finanziellen Unterstützungsleistungen (z. B. zur Übernahme von Kosten für das Mittagessen) sowie Hinweise auf Beratungsangebote.
Was genau wurde bereits realisiert? Produkte und Ergebnisse
Aus dem Projekt sind mehrere aufeinander abgestimmte Informationsangebote entstanden:
- Informationsveranstaltungen in Kindertageseinrichtungen als niedrigschwelliges Beratungsangebot,
- eine leicht verständliche Broschüre zum Einschulungsprozess mit konkreten Handlungsschritten in digitaler und gedruckter Form,
- ergänzend eine Info-Karte, die mithilfe von Links und QR-Codes auf die online verfügbaren Informationen verweist,
- der Aufbau einer digitalen Informationsplattform, auf der die Inhalte der Broschüre schrittweise veröffentlicht werden (bisher verfügbare Themen: Einschulung und Ganztagsbetreuung an Grundschulen) und weiterführende und aktuellere Informationen zusätzlich zur Broschüre zur Verfügung stellt und
- die in verschiedene Sprachen übersetzt werden kann- dadurch wird eine mehrsprachige Bereitstellung der Informationen ermöglicht.
„In den Monaten vor dem ersten Schultag müssen Eltern eine Fülle von organisatorischen Aufgaben bewältigen, damit ihr Kind im September alle Untersuchungen absolviert hat und bei allen Stellen angemeldet ist. Besonders die verschiedenen Formen der Ganztagsbetreuung werfen viele Fragen auf: Für jede Anmeldung sind andere Einrichtungen zuständig, an unterschiedlichen Orten. Familien mit geringen Deutschkenntnissen haben so kaum eine Chance, ihr Kind überall rechtzeitig anzumelden.
Mit der Broschüre und den Infonachmittagen möchten wir die vielen Einzelinformationen in einen verständlichen Zusammenhang bringen. Eltern erhalten gebündelt Hinweise zu Förder- und Privatschulen, zur Schuleingangsuntersuchung, zu Infoabenden an Grundschulen, zur Schuleinschreibung und möglichen Zurückstellungen sowie zur Ganztagsbetreuung und zu Deutschklassen. So bekommen sie eine klare Übersicht darüber, was in den kommenden Monaten auf sie zukommt und wie die einzelnen Schritte ablaufen.“
Daniela Zumbil, Barbara Macher, Birgit Pritschet, Stabsstelle Bildungskoordination, Stadt Regensburg
Die Broschüre stößt auf großes Interesse: Es gibt bereits Vorbestellungen für 2.000 Exemplare der zweiten, überarbeiteten Auflage für den Herbst 2026 - ein voller Erfolg! Auch Beratungsstellen nutzen sie als Unterstützung in Beratungsgesprächen. Für Familien, deren Kinder keine Kindertageseinrichtung besuchen, sollen die Informationen künftig verstärkt über Beratungsstellen und Grundschulen zugänglich gemacht werden.
„Die Broschüre „Mein Kind kommt in die Schule“ bietet einen übersichtlichen und leicht verständlichen Einstieg in das Thema Schulanfang und vermittelt Eltern alle wichtigen Informationen zum Start in die Grundschule. Als Elternbegleiterin kann ich sie im Stadtgebiet sehr gut einsetzen, insbesondere zur Unterstützung neuzugewanderter Familien. Sie ist eine wertvolle Orientierungshilfe und erleichtert Eltern den Zugang zu wichtigen Informationen rund um den Schulstart.“
Bea Birnbaumer, Koordinatorin Netzwerk Elternbegleitung Regensburg-ElternChanceN
„Vielen Dank für die Verfassung der Broschüre. Die Broschüre ist übersichtlich und informativ gestaltet und sicher eine große Hilfe für die Eltern.“
Grundschule Sallerner Berg
Was war hilfreich bei der Umsetzung? Förderliche Bedingungen
Für die erfolgreiche Umsetzung waren verschiedene Faktoren entscheidend:
- Die Zusammenarbeit mit InMigra-KiD und deren bestehende Netzwerke zu Kindertageseinrichtungen und pädagogischen Fachkräften ermöglichten einen direkten, niedrigschwelligen Zugang zur per se eher schwer zu erreichenden Zielgruppe.
- Die enge Zusammenarbeit mit Grundschulen, Integrationslots:innen, Beratungsstellen sowie weiteren Fachkräften half dabei, die Inhalte praxisnah und verständlich aufzubereiten.
- Die Broschüre wurde vor Veröffentlichung gemeinsam mit fachfremden Personen erprobt. Für eine mögliche Überarbeitung wird sie aktuell durch das Büro für Leichte Sprache überprüft. Dadurch wird sichergestellt, dass die Informationen tatsächlich verständlich sind.
- Regelmäßige Rückmeldungen der Kindertageseinrichtungen fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Angebote ein – beispielsweise zur Organisation der Veranstaltungen oder zur Gestaltung der Informationsmaterialien.
Mehrwerte im Sinne des DKBM / Nutzen für die Bildungskoordination
Das Angebot verbessert den Zugang zu Bildungsinformationen insbesondere für neuzugewanderte Familien und trägt dazu bei, Bildungsübergänge chancengerechter zu gestalten. Durch die Verankerung in den Kindertageseinrichtungen werden Eltern frühzeitig erreicht und Hemmschwellen gegenüber Behörden oder Schulen abgebaut.
Gleichzeitig profitiert auch die Bildungskoordination von dem direkten Austausch mit den Familien. Rückmeldungen aus den Veranstaltungen machen sichtbar, an welchen Stellen weitere Informations- oder Unterstützungsbedarfe bestehen. So wurde beispielsweise deutlich, dass auch der Kita-Planer – also das offizielle Online-Portal der Stadt Regensburg zur Suche und Anmeldung von Kinderbetreuungsplätzen – für viele Familien schwer verständlich ist und weiterer Handlungsbedarf besteht.
Die leicht verständlich aufbereiteten Materialien zum Schulstart unterstützen neben der eigentlichen Zielgruppe auch Beratungsstellen, Kindertageseinrichtungen und Schulen in ihrer täglichen Arbeit. Davon profitieren nicht nur neuzugewanderte Familien, sondern auch deutschsprachige Eltern, für die Fragen rund um Einschulung und Betreuung teilweise ebenfalls schwer überschaubar sind. Leicht verständliche Informationen helfen Eltern, die richtigen Anlaufstellen und Verwaltungsprozesse zu finden (z.B. Sprengelschule, freier Träger oder Schulamt). Dadurch werden Doppel- und Verweisberatungen sowie fehlerhafte oder verspätete Anträge reduziert. Beratungen und Antragsbearbeitung (z.B. zu Betreuungsmöglichkeiten oder finanziellen Unterstützungsleistungen) können effizienter erfolgen – das entlastet langfristig auch die Verwaltung.
Kontakt
Stadt Regensburg
Referat für Bildung | Stabsstelle Bildungskoordination
Domplatz 3 | 93047 Regensburg
Daniela Zumbil, zumbil.danielaregensburg.LÖSCHEN.de
Barbara Macher, macher.barbararegensburg.LÖSCHEN.de
Birgit Pritschet, pritschet.birgitregensburg.LÖSCHEN.de
Bildungskoordination: Stadt Regensburg - Bildung u. Wissenschaft - Bildungskoordination
InMigraKiD: Stadt Regensburg - Jugend- und Familientherapeutische Beratungsstelle - Fachstelle InMigra-KiD
Text: Ulrike Benzer, REAB Bayern
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