Das Netzwerk der Jugendberufsagentur - den Übergang von der Schule in den Beruf gemeinsam gestalten
Um was geht’s? Ausgangslage und Einordnung in das datenbasierte kommunale Bildungsmanagement
Viele Institutionen begleiten junge Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf. Um Transparenz in den „Angebotsdschungel“ zu bekommen und Unterstützungsstrukturen besser aufeinander abzustimmen, haben sich in der Region Coburg zentrale Akteur:innen zu einem Netzwerk der Jugendberufsagentur zusammengeschlossen. Ziel ist es, vorhandene Angebote besser zu vernetzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, damit junge Menschen passgenau unterstützt werden. Die Bildungsbüros aus Stadt und Landkreis Coburg sind dabei zentrale Manager:innen für das Netzwerk und zuständig für die Gesamtkoordination.
Ausgangspunkt der Zusammenarbeit war eine klare politische Haltung in Stadt und Landkreis: „Kein junger Mensch darf verloren gehen.“ Vor diesem Hintergrund entschied sich die Bildungsregion dafür, die Situation der Jugendlichen ohne Ausbildung in den Blick zu nehmen. Startpunkt war eine gemeinsame Bildungskonferenz im Jahr 2017 zum Thema „Jugendliche ohne Ausbildung“, bei der deutlich wurde: Der Übergang Schule – Beruf lässt sich nur im Zusammenspiel der verschiedenen Institutionen wirksam gestalten. Gleichzeitig existierten bereits mehrere Jugendberufsagenturen und Kooperationsvereinbarungen zwischen verschiedenen Institutionen am Übergang Schule – Beruf – teilweise parallel in Stadt und Landkreis. In der Region gibt es zahlreiche Bildungspendler:innen zwischen Stadt und Landkreis sowie teilweise nur einmal vorhandene Bildungsinstitutionen. Deshalb wurde schnell deutlich, dass eine Zusammenarbeit über kommunale Zuständigkeitsgrenzen hinweg notwendig ist, um Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien zu nutzen.
Da es den Beteiligten wichtig war, keine neuen Strukturen aufzubauen, sondern vorhandene Angebote sinnvoll zu bündeln, entschied man sich im Nachgang zur Bildungskonferenz dafür, zentrale Akteure im Bereich des Übergangs Schule – Beruf künftig unter dem Dach der Jugendberufsagentur zu versammeln.
„Als Bildungsbüros schaffen wir Verbindungen, wo zuvor Strukturen nebeneinanderstanden. Durch unsere Koordination bringen wir die relevanten Akteur:innen zusammen, stimmen Angebote aufeinander ab und machen Unterstützung für junge Menschen so deutlich wirksamer und passgenauer.“
Tina Pohl, Stadt Coburg, und Doreen Rottmann, Landkreis Coburg
Wie lief es konkret ab? Umsetzung und Ausgestaltung
Im erweiterten Netzwerk der Jugendberufsagentur arbeiten neben den originären Mitgliedern Arbeitsagentur, Jobcenter und kommunale Jugendhilfe auch staatliche Berufsschulen, Kammern, Schulämter und Bildungsbüros zusammen. Die Kooperation basiert auf einer klaren Arbeitsstruktur:
Strategische Ebene: Zweimal jährlich treffen sich die Partner zu Netzwerktreffen auf Leitungsebene. Dort werden aktuelle Herausforderungen identifiziert und gemeinsame Arbeitsschwerpunkte festgelegt.
Operative Ebene: Aus den strategischen Themen entstehen Arbeitsgruppen (z. B. zu Inklusion oder zur Erarbeitung des Berufswahlordners), die eigenständig an konkreten Fragestellungen arbeiten und Lösungen entwickeln. Fortschritte und Ergebnisse werden wieder in die Netzwerktreffen eingebracht.
Koordination: Die Bildungsbüros übernehmen die Netzwerkkoordination. Sie organisieren Treffen, strukturieren Prozesse und sorgen für Austausch zwischen den Partnern.
„Ein zentraler Erfolgsfaktor für uns war, dass die Bildungsbüros die Koordinierung übernommen haben, weil sie überparteiliche, neutrale Stellen sind und gleichzeitig über gute Kontakte zu politischen Spitzen und den Schulen verfügen.“
Christina Kuntz, Teamleitung Berufsberatung, Arbeitsagentur Coburg, Kronach und Lichtenfels
Datenbasierung: Nicht alle Themen werden im Netzwerk gemeinsam abgestimmt. Stattdessen setzen die Beteiligten auf regelmäßige Information, Rückmeldungen und pragmatische Abstimmung, um Synergien zu nutzen. Eine wichtige Grundlage dafür ist der Austausch von Daten und Erfahrungen. Einmal jährlich stellen die Netzwerkpartner aktuelle Zahlen und Entwicklungen vor. Dadurch entsteht Transparenz über Trends und Herausforderungen im Übergangssystem.
Gemeinsame Ziele: Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht immer der junge Mensch – insbesondere Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen. Das Netzwerk verfolgt dabei einen präventiven Ansatz: Eine gute Unterstützung beim Übergang in Ausbildung oder Beruf verhindert spätere Brüche im Lebenslauf und reduziert langfristig Unterstützungsbedarfe.
Was genau wurde bereits realisiert? Produkte und Ergebnisse
Homepage zur Berufsorientierung
Jugendliche haben häufig Zugang zu vielen Informationen – jedoch fehlt oft der Überblick. Deshalb wurde eine gemeinsame Homepage zur Berufsorientierung entwickelt, die regionale Angebote bündelt und Ansprechpartner:innen sichtbar macht und damit eine Lotsenfunktion hat.
Hosting und Pflege übernehmen die Bildungsbüros, die Inhalte werden von allen Partnern zugeliefert. Bei der Entwicklung der Homepage wurde gezielt Feedback von Jugendlichen eingeholt. Die Seite wird kontinuierlich weiterentwickelt. Perspektivisch soll sie auch für Jugendliche mit den unterschiedlichsten Handicaps besser nutzbar sein, indem zahlreiche Informationen und Angebote auf der Homepage auch im Hinblick auf diese Zielgruppe angepasst werden.
Berufswahlordner für Schüler:innen
Die Idee entstand aus einem Bedarf der Schulen: Berufsorientierung sollte kontinuierlich dokumentiert werden können – einfach und praxisnah, mit Informationen, Reflexions- und Dokumentationsmöglichkeiten für die Schüler:innen möglichst einheitlich für die Schulen. Bisher wird der Berufswahlordner verpflichtend an Mittelschulen eingesetzt. Darüber hinaus können auch andere Schularten auf den Berufswahlordner zugreifen und diesen entsprechend nutzen.
Seine Inhalte sind in leichter Sprache formuliert, er ist digital verfügbar und ausdruckbar. Auf weiterführende Angebote sowie die Homepage der Jugendberufsagentur wird an den entsprechenden Stellen verwiesen.
Der Ordner wurde in einer Arbeitsgruppe gemeinschaftlich konzipiert. Die konkrete Ausarbeitung und Umsetzung lag maßgeblich in der Verantwortung der Bildungsbüros. Aktuell befindet sich der Berufswahlordner in einer Testphase mit Evaluation durch Lehrkräfte.
Fachtage und Austauschformate
Regelmäßige Fachtage bilden einen wichtigen Bestandteil der operativen Zusammenarbeit im Netzwerk. Sie finden alle zwei Jahre statt und bieten Raum für fachliche Impulse, dem Austausch zwischen den Partnern sowie für die gemeinsame Weiterentwicklung der Angebote. Im Jahr 2025 stand der Fachtag beispielsweise unter dem Motto „Gemeinsam stark im Umgang mit Jugendgenerationen!“. Mit Bezug zur Sinusstudie warfen die rund 100 Teilnehmenden – insbesondere Lehrkräfte, Fachpersonal aus Jugendpflege, Jugendsozialarbeit, Berufsberatung, Vermittlung und Ausbildungsakquise – einen intensiven Blick in die unterschiedlichen Lebenswelten von Jugendlichen.
In den Zwischenjahren sollen perspektivisch kleinere Fachtreffen bei Netzwerkpartnern stattfinden, in diesem Jahr (2026) gegebenenfalls zum Thema Inklusion.
Last-Minute-Ausbildungsbörse
Viele Ausbildungsmessen finden früh im Schuljahr statt – zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Jugendliche noch nicht entschieden haben. Deshalb wurde in Coburg eine Last-Minute-Ausbildungsbörse kurz vor Schuljahresende organisiert, die sowohl von Betrieben als auch von Jugendlichen sehr positiv aufgenommen wurde, sodass eine Wiederholung geplant ist.
Was war hilfreich bei der Umsetzung? Förderliche Bedingungen
- klare Unterstützung der politischen Spitzen von Stadt und Landkreis
- Nutzung bestehender Strukturen statt Aufbau neuer Parallelangebote
- neutrale Koordination durch das Bildungsbüro
- gemeinsame strategische Ziele
- flexible und verbindliche Arbeitsstrukturen (Tipp: der Aufbau solcher tragfähigen Strukturen braucht auch Zeit und Möglichkeiten zum Nachsteuern!)
- Fokus auf konkrete Probleme führt schneller zu Ergebnissen und Lösungen
Welchen Nutzen gibt es für Bildungsbüros? Mehrwerte im Sinne des DKBM
Aus Sicht der Beteiligten zeigt sich der Nutzen der Kooperation vor allem im Arbeitsalltag:
- schnellere Abstimmungen
- kurze Wege zwischen den Institutionen
- bessere gegenseitige Kenntnis der Angebote
Gleichzeitig hat sich die Zusammenarbeit mit den Schulen weiter intensiviert. Die Berufsberatungsteams der Arbeitsagentur arbeiten direkt vor Ort mit Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS)-Fachkräften zusammen und erreichen Jugendliche dadurch früher.
Kontakt
Bildungsregion Coburg: Ansprechpartnerinnen
Tina Pohl (Stadt Coburg), familiecoburg.LÖSCHEN.de
Doreen Rottmann (Landkreis Coburg), bildungsbuerolandkreis-coburg.LÖSCHEN.de
AG-Fachkräftesicherung der REAB Bayern: Ansprechpartnerinnen
Ulrike Benzer, Ulrike.Benzermetropolregion.nuernberg.LÖSCHEN.de
Anja Klier, Anja.Kliermetropolregion.nuernberg.LÖSCHEN.de
Arbeitsgemeinschaft Fachkräftesicherung
Der Beitrag entstand im Rahmen der AG Fachkräftesicherung (FKS). Die Bildungsregion Coburg stellte beim letzten Treffen im Januar 2026 ihre Erfahrungen aus der Jugendberufsagentur vor. An der AG FKS beteiligten sich von Januar 2025 bis Januar 2026 Vertreter:innen von 13 nordbayerischen Kommunen.
Copyright Fotos: Logo der Jugendberufsagentur, Stadt und Landkreis Coburg; Arbeitsebene des Netzwerks; IHK zu Coburg, Porträtfoto Christina Kuntz, Agentur für Arbeit Coburg; Jugendberufsordner, Stadt Coburg, Getty Images