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RÄUME für BILDUNG in Ihrer Kommune!

Thesen zur Inspiration

THESE 1: Räume für Bildung sind weit mehr als nur Gebäude.

💡 Warum das stimmt: Lernräume beeinflussen, wie Menschen miteinander interagieren, wie sie sich fühlen und wie gut Lernen gelingt. Atmosphäre, Gestaltung und Nutzungsmöglichkeiten prägen Bildungsprozesse genauso stark wie Inhalte oder Methoden.

THESE 2: Die Gestaltung von Räumen für Bildung gewinnt zunehmend an Bedeutung.

💡 Warum das stimmt: Veränderte Lernformen (z. B. kollaboratives, selbstorganisiertes Lernen) und gesellschaftliche Entwicklungen machen deutlich, dass klassische Raumkonzepte oft nicht mehr ausreichen. Räume müssen flexibler, inklusiver und vielfältiger werden. 

THESE 3: Räume für Bildung sind ein strategisches Instrument für gesellschaftliche Entwicklung.

💡 Warum das stimmt: Wie und wo Bildung stattfindet, hat direkte Auswirkungen auf Chancengerechtigkeit, Teilhabe und das Zusammenleben vor Ort. Gut gestaltete Bildungsräume 

Einstieg in das Thema Raum & Bildung

 

Begriffsklärungen und erste Denkanstöße für den Perspektivwechsel

 

Begrifflichkeiten

Lernorte sind physische oder virtuelle Räume, an denen Lernen stattfindet. Theoretische Konzepte betonen dabei, dass Lernen nicht nur in der  Schule passiert, sondern sozial und räumlich kontextualisiert ist.

Klassischer Lernort: Die Theorie betrachtet Bildungsinstitutionen als primäre Lernorte (Schule, Hochschule). 

Ökologische und systemische Perspektive auf Lernorte: Lernen wird in einem Netzwerk verschiedener Lernorte gesehen (formale, non-formale, informelle Bildungsorte).

Bildungslandschaften verknüpfen unterschiedliche Bildungsorte (formale, non-formale, informelle) und Akteur:innen (Schulen, Vereine, Bibliotheken, Betriebe).


Bildungslandschaft – Perspektive Kinder- und Jugendarbeit (Arbeitshilfe)

Bildungslandschaften raumtheoretisch betrachtet | sozialraum.de

Sozialraumorientiert ist es dann, wenn Lernen an den Alltag und Lebenswelten der Menschen gebunden ist, nicht allein an Institutionen. Sozialraumorientierte Bildungsarbeit verknüpft soziale Arbeit, Stadtplanung und Lernprozesse im Quartier. Der Fokus liegt auf Ressourcenorientierung, Partizipation, Empowerment. 

Ein Quartier wird als partizipative Lernlandschaft verstanden, in der Schule, Jugendhilfe, Bibliotheken, Vereine und Nachbarschaft kooperieren. Es geht um Räumliche Vernetzung, Zugangsbedingungen und Übergänge zwischen Lernorten. 

Soziale Orte sind Orte der Begegnung, der Kommunikation und des Miteinanders. Die unterschiedlichsten Menschen kommen hier im öffentlichen Raum zusammen, um gemeinsam etwas zu unternehmen, aufzubauen oder zu erhalten. 

Soziale Orte im Quartier – Bedeutung für das Städtebauförderungsprogramm Sozialer Zusammenhalt

Publikationen der Stiftung / Soziale Orte

Bei einem Campus handelt es sich um einen besonders verdichteten, nahräumlichen und sinnlich erfahrbaren Raum für möglichst viele Bevölkerungsgruppen. Es ist ein öffentlich begehbarer Raum mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen. 

Wissensbaustein: Campus und kommunale Bildungssteuerung

 

  • Netzwerkarbeit / Kooperation  → Zusammenarbeit verschiedener Akteur:innen
  • Partizipation / Beteiligungsorientierung → Beteiligung von Bürger:innen, kommunalen Einrichtungen und unterschiedlicher Zielgruppen
  • Niedrigschwelligkeit / barrierearme Zugänge → leicht zugängliche Bildungsformate und Räume
  • Quartiersentwicklung → Verbindung von Stadtentwicklung und Bildungsarbeit
  • Multifunktionale Räume / Mehrfachnutzung → Räume mit mehreren Nutzungsmöglichkeiten (z. B. Bibliothek + Lernort)
  • Bildungsgerechtigkeit  → das Konzept beschreibt Chancengleichheit in einem Bildungssystem. Zugang zu Bildung und die aktive Teilhabe an Bildung und ist ein Fundament für soziale Teilhabe.

Raumbezogene Konzepte

Formale Bildungsräume

Beschreibung: Formale Bildungsräume sind institutionalisierte Lernumgebungen mit strukturierten Lehrplänen, offiziellen Abschlüssen und festgelegten Lernzielen. Sie sind gesetzlich reguliert und werden häufig von staatlichen oder anerkannten Institutionen angeboten. 

Beispiele: Schulen, Universitäten, Berufsausbildungszentren. 

Charakteristik:  Zielgerichtetes Lernen, strukturierte Inhalte, Lehrer:innen oder Dozent:innen, Leistungsbewertung durch Prüfungen oder Zertifikate. 

Non-formale Bildungsräume

Beschreibung:  Non-formale Bildungsräume sind organisierte Lernangebote außerhalb des klassischen Schulsystems. Sie sind freiwillig, thematisch flexibel und oft praxisorientiert. 

Beispiele: Volkshochschulen, Jugendbildungswerke, Sprachkurse, Workshops oder berufliche Weiterbildungen. 

Charakteristik:  Freiwilligkeit, praxisnahe Inhalte, oft projektorientiert, weniger formalisiert als Schule, kein zwingender Abschluss. 

Informelle Bildungsräume

Beschreibung:  Informelle Bildungsräume sind unstrukturierte, alltägliche  Lerngelegenheiten. Lernen erfolgt selbstgesteuert, oft durch Erfahrungen, soziale Interaktionen oder Medien. 

Beispiele:  Lernen durch Hobbys, Internet-Recherchen, Gespräche mit Freund:innen, Museumsbesuche, YouTube-Tutorials. 

Charakteristik: spontan, selbstbestimmt, keine formalen Regeln oder Zertifikate, stark individuell geprägt.

Besonderheit: „Dritte Orte“ (Third Places)

Beschreibung: Informelle Bildungsräume sind Räume, die speziell soziale und kulturelle Kompetenzen stärken. Ray Oldenburg (Oldenburg, R. (1989).  The Great Good Place) prägte den Begriff als Ort zwischen zuhause (First Place) und Arbeits-/Schule (Second Place).

Beispiele: Cafés, Makerspaces, Community-Zentren, Gaming-Communities, offene Lernlabore, öffentliche Orte

Charakteristik: Informelle, sozial, Begegnung und Austausch fördernd, selbstorganisiert, freiwillig, niedrige Eintrittsbarrieren

Reflexionsfragen

💡 Wie lässt sich Lernen im Quartier sichtbar machen, wenn es nicht an Institutionen gebunden ist?

💡 Welche Räume und Orte im Quartier/in meiner Kommune können bewusst als Lernlandschaften gestaltet werden (Parks, Nachbarschaftstreffs, Cafés etc.)?

💡 Wie kann die Verbindung zwischen formaler Bildung (z. B. Schule) und nicht‑formalen/informellen Lernangeboten in meiner Kommune gestärkt werden?

💡 Welche Akteur:innen gehören ins kommunale‑Bildungsnetzwerk, um die Bildungslandschaft in meiner Kommune zu gestalten? (Schule, Kitas, Vereine, Museen, Nachbarschaftshäuser, Kommune)

💡 Kann ich die Lebenswelten der Bewohner:innen meiner Kommune in sozialräumlich strukturierte Lernlandschaften zusammenfassen?

💡 Welche drei dritten Orte kann ich auf Anhieb in meiner Kommune/Gemeinde/Quartier/Stadt nennen?

💡 10 Fragen zum Thema Bildungsorte (Handreichung von Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement NRW)

Strategische Ausrichtung der Arbeit auf Raum & Bildung 

 

Anregungen zur strategischen Steuerung und Planung 

Reflexionsfragen

💡 Räume als Teil kommunaler Bildungsstrategien - Wie kann das gehen?

💡 Wer steuert Bildungsräume – und wie? Gibt es zentrale Akteur:innen, die in dem Kontext wichtig sind? 

💡 Räume, die zwischen Bildung, Stadtentwicklung und Sozialraum liegen - Wie plane ich und wo finde ich Synergien?

„So werden Räume Teil der kommunalen Bildungsstrategie“

ARBEITSHILFE

Tipps aus der Praxis

Strategisches Vorgehen bedeutet vor allem weg vom Einzelprojekt hin zu einem vernetzten, datenbasierten und nutzerorientierten Ansatz.

1. Räume als Teil der Bildungsstrategie verankern

Räume nicht nur als Infrastruktur sehen, sondern als aktiven Bestandteil von Bildungspolitik.
→ Jede Bildungsstrategie sollte eine „Raumdimension“ enthalten (Zugang, Qualität, Nutzung).

2. Eine kommunale Raum-Bildungsanalyse durchführen

Erheben, welche Räume es gibt, wer sie nutzt – und wer keinen Zugang hat.
→ Oft zeigt sich: Räume sind da, aber schlecht verteilt oder wenig vernetzt.

3. Bestehende Räume neu denken (statt neu bauen)

Viele Kommunen unterschätzen ihre vorhandenen Ressourcen.

4. Multifunktionale Räume entwickeln

Räume bewusst so planen, dass sie mehrere Zielgruppen und Zwecke bedienen.
Beispiel: Schulmensa wird nachmittags Lernort, abends Begegnungsraum.

Wer Räume teilt, hat mehr vom Platz: Frankfurt am Main entwickelt RAUMBOX© | Schulen planen und bauen | Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

5. Bildung, Stadtplanung und Sozialraum stärker verzahnen

Räume für Bildung entstehen oft zufällig zwischen Zuständigkeiten.
Regelmäßige Abstimmung zwischen Bauamt, Bildungsbüro und Sozialplanung schafft neue Lösungen.

6. Nutzer:innen konsequent beteiligen

Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Initiativen früh einbinden.
→ Sie wissen am besten, wie Räume wirklich funktionieren (oder eben nicht).

7. Experimentierformate und „Reallabore“ schaffen

Nicht alles sofort perfekt planen – lieber testen.
→ Temporäre Lernräume, Pop-up-Angebote oder Zwischennutzungen ermöglichen schnelle Erfahrungen.

8. Kooperationen und geteilte Nutzung fördern

Räume gemeinsam nutzen, statt Parallelstrukturen aufzubauen.
Beispiel: Kooperation zwischen Volkshochschule, Schule und Kulturzentrum.

9. Räume sichtbar machen (Transparenz schaffen)

Viele wissen gar nicht, welche Räume verfügbar sind.
→ Digitale Raumplattformen oder einfache Übersichten helfen enorm à Bildungsportale ergänzen

10. Räume systematisch nach Nutzung, Zielgruppe und Lernform kartieren 

→ Beispiel:  Raum-Landkarte

Geoportal Mannheim – Geodaten und Kartendienste der Stadt Mannheim

Raumdatenbank - www.freiburg.de - Leben in Freiburg/Gesellschaft/Raumdatenbank

Ländliche Räume – besondere Bedingungen?!

  • Es stehen nicht unbedingt neue Gebäude im Mittelpunkt → Umnutzung und Vernetzung bestehender Räume
  • Die Bildungsregionen sind ein Steuerungsinstrument → der Landkreis wird zur Raum-Management-Ebene
  • Viele kleine Orte/Gemeinden statt eines Zentrums → Bildung ist und muss dezentral organisiert werden
  • Räume sind oft sozial eingebettet → Vereine, Kultur, Natur und Wirtschaft spielen zentrale Rolle

Informationsmaterial

Fachstelle für Bildung, Entwicklung, Raum, Integration und Demokratie

Magazin_Stadt_Land_Bildung_15_WEB.pdf – Raum für Bildung

Minderop, D. (2014): Kommunen auf dem Weg zur Bildungslandschaft Ein Handbuch für kommunale Akteure. 
Bertelsmann Stiftung, Leseprobe

Programm "Bildung integriert" zur Förderung des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements Bildungschancen gestalten. Vor Ort. Für alle.

Raum-Potenziale in der Kommune heben

 

Möglichkeiten von Bildungsbüros, Förderungen und Beratung

In vielen Kommunen ist das Themenfeld „Räume für Bildung“ kein etabliertes Leitkonzept, aber in vielen Aktivitäten im Kontext kommunaler Bildungsarbeit implizit vorhanden.

Das kommunale Bildungsmanagement kann sich profilieren, indem Sie:

  • Raum explizit zum Thema machen
  • Bildungslandschaften räumlich denken
  • Stadt-/Gemeindeentwicklung und Bildung stärker verbinden und die Konzepte strategisch und langfristig ausrichten.

Vom Netzwerk zur räumlichen Bildungsstrategie

Neue Rolle des Bildungsmanagements: „Raum-Koordinator für Bildung“

Neue Aufgaben

  • Schnittstelle zwischen Bildung, Stadtplanung, Sozialraum
  • Moderation von kommunalen Raumentwicklungsprozessen
  • Initiierung von Piloträumen und die damit zusammenhängenden Kooperationen
  • Aufbau eines konkreten Raum-Monitorings in der Kommune 

Neue Instrumente

  • Bildungsraum-Atlas (digital + analog)
  • Bildungsportal räumlich nutzen
  • Quartiers/Campus/Raum-Workshops / Reallabore
  • Raum-Monitoring (Nutzung, Zugang)  
  • Kooperationsvereinbarungen zwischen Ämtern
  • Pilotprojekte („offene Räume“) 

Innovativ ist, konsequent den Fokus auf Raum als Steuerungsgröße richten.

💡 Räume werden analysiert

💡 Räume werden bewusst entwickelt                                               

💡 Räume werden strategisch genutzt

 

ARBEITSHILFE  

Fördermöglichkeiten & Unterstützungsstrukturen

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Startseite - BMBFSFJ)

  • Fördert Bildungsforschung, Modellprogramme und innovative Lernorte
  • Unterstützt Programme zu Schulentwicklung, Digitalisierung, Ganztag
  • Wichtig für neue Lernraumkonzepte (z. B. Campusmodelle, MINT-Räume) 

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) / BBSR - Startseite)

  • Zuständig für Bildungsräume im Kontext von Stadtentwicklung
  • Quartiersentwicklung  
  • Fördert Konzepte wie „Bildungslandschaften“ und soziale Infrastruktur (RegioStrat)

KfW (Förderungen und Kredite für Städte und Gemeinden | KfW)

  • Größter öffentlicher Förderer von Schulbau und Sanierung
  • Programme für kommunale Bildungsinfrastruktur
  • Zentral für nachhaltige Gestaltung von Städten und Gemeinden 

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus | Startseite)

  • Schulbauplanung in Kooperation mit Kommunen
  • Förderung von Ganztagsschulen und digitalen Lernräumen 

Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr - Startseite)

  • Zuständig für Städtebauprogramme mit Bildungsbezug
  • Programme zur Entwicklung von Quartieren mit Bildungsfunktionen 

 

Robert Bosch Stiftung

  • Einer der wichtigsten Akteure für Bildungsräume & Schulentwicklung
  • Fördert Schulinnovationen, Schulbaukonzepte, Lernkultur
  • Starke Arbeit zu „Schule als Lebensraum“ 

Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen

 

Bertelsmann Stiftung

  • Fokus auf kommunale Bildungslandschaften
  • Forschung zu Schulnetzwerken, Bildungssteuerung, Raum & Struktur
  • Unterstützt systemische Veränderung von Bildungsräumen 

Bildung und Next Generation

 

Wübben Stiftung Bildung

  • Arbeitet eng mit Schulen in herausfordernden Lagen
  • Fokus auf Schulentwicklung und Steuerung
  • Indirekter Einfluss auf Raumgestaltung durch Organisationsentwicklung 

Wübben Stiftung Bildung - Wübben Stiftung Bildung

 

Stiftung Bildung

  • Fördert konkrete Bildungsprojekte in Schulen und Kitas
  • Unterstützt Gestaltung von Lernräumen über Fördervereine
  • Sehr basisnah (Bottom-up-Förderlogik) 

Stiftung Bildung – Engagiert für bessere Bildung und Chancen

 

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

  • Sehr aktiv in „Lernorte der Zukunft“
  • Programme zu Schulöffnung, Beteiligung, Raumexperimenten
  • Unterstützt Schulen als Lebens- und Sozialräume 

DKJS - Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

 

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

  • Fördert Bildungsinnovation im Hochschul- und Schulkontext
  • Unterstützt Campusentwicklung und Lernarchitekturen 

Initiativen | Stifterverband

 

Sie möchten Ihre Konzepte weiterentwickeln? Melden Sie sich gerne bei uns!

Regionale Entwicklungsagentur für Kommunales Bildungsmanagement (REAB) Bayern

Regionalbüro Nord in Nürnberg | Geschäftsstelle Metropolregion Nürnberg:

Simone Weber | simone.webermetropolregion.nuernberg.LÖSCHEN.de | +49 911 231-78487

Regionalbüro Süd in München | dji – Deutsches Jugendinstitut: 

Ronald Langner | rlangnerdji.LÖSCHEN.de | +49 89 62306-409